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Allgemein

„Ich entfremde, also bin ich“ – Eltern-Kind-Enftremdung ist nur indirekt das Ergebnis des Konfliktes zwischen den Eltern.

15. Dezember 2020

Die Wurzel und die Blüte des Übels.

Viele Gutachter*innen und Verfahrensbeistände erklären das Auftreten von PAS (Parental Alienation= Eltern-Kind-Entfremdung) häufig mit der Konfliktdynamik zwischen den getrennten Eltern eines Kindes. Die Eltern werden daraufhin zu Mediatoren*innen oder Schlichter*innen geschickt, um die Differenzen beizulegen und gemeinsam zum Wohl des Kindes zu handeln.
Eine schöne Vorstellung und grundsätzlich ein lobenswerter Lösungsansatz, der auch funktionieren könnte, wenn nur der Konflikt allein die Wurzel des Übels wäre. Der Konflikt an sich ist in vielen Fällen jedoch nur die Oberfläche, die Blüte des Übels, sozusagen. Seine Wurzel, also die Ursachen der Eltern-Kind-Entfremdung können dagegen noch viel tiefer liegen – häufig in der Vergangenheit (oft: Kindheit) des Entfremders/der Entfremderin.

Insbesondere
Elternteile, die in ihrer eigenen Kindheit diversen Problematiken in
den Herkunftsfamilien ausgesetzt waren (Gewalt – sexualisiert,
körperlich, psychisch/emotional, Vernachlässigung, Suchtproblematik der
Eltern, psychische Erkrankungen der Eltern, Trennung der Eltern etc.),
neigen mitunter dazu, die eigene unverarbeitete Vergangenheit auf andere zu projizieren, um eine Konfrontation mit den belastenden Themen aus der Vergangenheit zu vermeiden. Der/die eigene frisch getrennte Partner*in bietet sich als Projektionsfläche besonders gut an.
Die daraus resultierende Entfremdung des Kindes vom getrennten Partner/Partnerin, die häufig als Racheakt interpretiert wird, kann in Wirklichkeit der Ausdruck tiefgehender, unverarbeiteter psychischer und emotionaler Problematik sein, die nur eine indirekte Verbindung zu dem gegenwärtigen Konflikt per se hat.

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Foto: Gerd Altmann auf Pixabay

Die Trennung als Trigger.

Bei
Elternteilen, die sich nach der Trennung ihren Kindern gegenüber manipulativ verhalten und sie gegen den anderen Elternteil indoktrinieren, können durch den
Trennungsprozess diverse Problematiken aktiviert worden sein – darunter beispielsweise Borderline, die auch
weitere psychischen Komorbiditäten nach sich ziehen kann (Bulimie, Suchtverhalten etc.). In vielen Fällen handelt es sich um eine Wiederaktivierung eines vergangenen, nicht austherapierten Leidens.

Die Trennung vom
Partner/in im Hier und Jetzt und das damit verbundene Gefühl des Verlassenwerdens, der Einsamkeit, der Hilflosigkeit und der Ausweglosigkeit  lässt die Vergangenheit und die kindlichen
Traumata aufleben, als sich der Elternteil – damals als Kind oder Jugendliche*r –  ähnlich einsam, verlassen und hilflos fühlte.
Die Trennung wird dabei paradoxerweise von den Entfremder*innen häufig als freudiges Ereignis ausgiebig gefeiert, denn die Entfremder:innen können sich die Trennung vom Parnter:in tatsächlich bewusst gewünscht oder auch unterbewusst durch ihr Verhalten selbst herbeigeführt haben. Das dahinter steckende Streben im Erwachsenenalter nach der Wiederholung eines früheren negativen Musters (z.B. Liebe = Konflikt, Liebe = Streit, Liebe = Unsicherheit) und der damit verbundenen negativen Gefühle kann auch ein Ergebnis der unverarbeiteten Famliengeschichte sein.

Wenn Wünsche wahr werden.

Sobald die Trennung vollzogen ist, tritt eine Situation ein, die Eduard Mörike mit diesen treffenden Worten beschrieben hat: „Man muss gut überlegen, was man sich wünscht. Es könnte passieren, dass man es bekommt“. Für den Elternteil, der die Trennung herbeigeführt hat, heißt es: einerseits ist das eingetreten, was er/sie sich gewünscht hat. Andererseits: unverarbeitete Gefühle aus der Vergangenheit, die durch den Trennungsprozess aktiviert wurden, finden Einzug in das Leben der Gegenwart. Gefühle der Unsicherheit, Einsamkeit etc. die allesamt keine guten Gefühle sind, die jedoch paradoxerweise ein gutes Gefühl geben, weil sie eine:n in der Vergangenheit jahrelang begleitet haben und in ihrer fatalen Absehbarkeit eine gewisse Sicherheit geboten haben.
Dass dies langfristig nicht gut gehen und genauso wenig „von selbst“ vergehen kann, nachdem man liegt auf der Hand.
Aus den Berichten entfremdeter Elternteile entnehme ich immer wieder, dass die Entfremder:innen, welche die Trennung ausdrücklich wünschten oder herbeigeführt haben, nach der Trennung häufig noch Versuche unternommen haben, die Beziehung wiederzubeleben.
Nach einigen gescheiterten Versuchen oder dann, wenn der/die einst zurückgewiesene Partner:in eine Wiederaufnahme der Beziehung verweigert, wird seitens der Entfremder:innen nach Ersatz gesucht.
Manchmal ist es prompt eine neue Beziehung, die sich häufig bereits während der Trennungsphase anbahnt.

Das eigene Kind allerdings spielt dabei eine entscheidende Rolle: es wird in diesem Moment überlebenswichtig. Es mutiert zu einer
Art Partnerersatz, es gibt Halt, es ist einer der wenigen noch
kontrollierbaren Bestandteile des Lebens. Das Kind ist immer da, auch wenn der oder die Neue dann doch das Weite sucht, das Kind ist auf den Elternteil angewiesen, es braucht ihn, es kann und wird ihn nicht verlassen. Das gibt ein Gefühl der Sicherheit und Beständigkeit.

Wäre da nicht der andere, getrennte Elternteil.

Entfremdung als Überlebensstrategie.

Jeder Kontakt des Kindes zum
anderen Elternteil ist mit Verlustängsten verbunden. Der Umgang wird
deshalb erschwert oder auf zahlreiche Arten boykottiert. Dem Kind wird durch diverse verbale und
nonverbale Entfremdungsstrategien ein negatives Bild des anderen
Elternteils vermittelt.
die 17 primären Entfremdungsstrategien werden von der amerikanischen Entwicklungspsychologin Dr. Amy Baker berschrieben. Genau genommen genügt nur eine oder zwei davon – und in der Regel ist es auch so. Damit wird ein intensiver Loyalitätskonflikt
des Kindes – also die Zerrissenheit zwischen zwei Elternteilen – gefördert, dessen Zweck ist, das Kind stärker an entfremdenden Elternteil zu binden, um es als Trostpflaster gegen die eigene
Unsicherheit und die Verlustängste zu instrumentalisieren.

Es kommt auch
durchaus vor, dass sich auch weitere Personen aus diesem Umfeld – zum
Beispiel die Großeltern des Kindes – aktiv an der Manipulation
beteiligen. Dies passiert zum einen aus „Solidarität“ der eigenen
Tochter oder dem eigenen Sohn gegenüber, zum anderen jedoch häufig, um
von den vergangenen oder aktuellen Misständen innerhalb der eigenen Familie abzulenken. Das manipulierte Kind wird auch von den
Großeltern oder anderen Familienmitgliedern instrumentalisiert, um die
Konfrontation mit  der eigenen Problematik zu vermeiden.

Das
PAS-fördernde Verhalten der manipulierenden Elternteile verstärkt sich
in vielen Fällen dann, wenn der andere Elternteil eine neue
(glückliche!) Beziehung eingeht oder gar heiratet. Die Verstärkung der
Manipulation manifestiert sich dabei häufig unabhängig davon, ob der
manipulierende Elternteil selbst in einer (neuen oder bereits
vorhandenen) Beziehung/Ehe lebt. 

Oft fühlen sich diese Elternteile auch
in ihren (neuen) Beziehungen oder Familienkostellationen einsam bzw.  allein
gelassen und sehen keine Möglichkeiten oder Auswege, ihr Verhalten zu
ändern. Die unverarbeiteten Muster aus der Kindheit/Jugend wirken auch hier. 

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Das Netz aus Helfern.

Entfremder handeln selten allein. Wie bereits vorstehend angedeutet, haben wir es mitunter mit einem
komplexen, ausgeklügelten System zu tun, dass aus mehreren aktiven und passiven Täterinnen und
Tätern besteht. Der/die Entfremder:in ist in dieses System eingebettet und
spielt darin abwechselnd die Rolle des Opfers oder des/der Heldin. Oder, damit
es noch einfacher ist, die Rolle des heldenhaften Opfers.

Das heldenhafte Opfer
kommt in der Regel sehr gut bei Institutionen an, die über das sogenannte „Wohl“ des
Kindes entscheiden. Gemeint sind viele Gerichte, Jugendämter, Verfahrensbeistände – auch dort können Entfremder:innen bewusst oder unbewusst unterstützende Helfer:innen generieren, die sich von der Geschichte des/der Entfremders:in angesprochen fühlen und die persönliche Ebene nicht (rechtzeitig) abschalten können.
Sozialpädagogen,
Pädagogen (m/w/d) und andere Fachleute, die an Institutionen dieser Art arbeiten, verfügen nicht selten selbst
über eine bestimmte Neigung zur Heldenhaftigkeit und Aufopferung. Was per se eine gute Eigenschaft sein kann, die einer natürlichen Veranlagung und Neigung entspricht:
jeder Mensch, jede Person wählt seinen Beruf unter anderem anhand
bestimmter Charaktereigenschaften. Diese bewirken, dass sich diese Person zu
einem bestimmten Beruf hingezogen fühlt. Und diese Charaktereigenschaften (z.B.
die Bereitschaft zur Aufopferung, unbezahlte Überstunden, Einsatz unter
schwierigsten Bedingungen – ich selbst arbeite im pädagogischen Bereich und
weiß, was da teilweise aufgrund von Personalmangel abgeht) bewirken, dass sich unwillkürlich
(denn ich möchte an dieser Stelle niemandem unterstellen, dass dies vorsätzlich
passiert) eine gemeinsame Ebene manifestiert.
Ein Entfremder/Entfremderin erschafft
durch sein heldenhaftes Opfertum oder aufopferungsvolles Heldentum sofort eine
Schnittstelle mit einer solchen Person. Sei es nur eine einzige, aber sie ist
da. Und sie wirkt. Die vermeintlichen Heldentaten werden aufgebauscht, die
Opferrolle glorifiziert. Und ein Auge zugedrückt. Oder sogar beide.

Die Welt ist eine Bühne.

Laut
dem deutschen Familiengerichtstag e.V. haben viel zu wenige deutsche
Familienreichterinnen und Richter spezielle Fachausbildungen, um über derart
sensible Angelegenheiten zu entscheiden. Zu viele Verfahrensbeistände sind
(vermutlich auch nicht zuletzt aufgrund der eigenen unverarbeiteten
Lebensgeschichte) befangen und fungieren de facto als zweiter Anwalt oder
Anwältin eines Elternteils. Laut Uni Hagen weisen über 50% der
Gutachten in Familiensachen in Deutschland gravierende Mängel.  50%! Über die Hälfte der Gutachten – von
Fachleuten erstellt! –  kann man
praktisch in die Tonne kloppen. Heißt bedauerlicherweise nicht im
Umkehrschluss, dass die übrigen knapp 50% einwandfrei sind. Diese können auch schlecht sein – nur eben nicht gravierend schlecht. Die Gutachten
sind – objektiv betrachtet – gutes Geld, schnell verdient. Eine völlig obsolete Ausgabe, bedenkt man,
dass die Besuche der Gutachter:innen mit mehrwöchigem Vorlauf angekündigt
werden und in der Regel nur 1 Stunde dauern. In dieser Zeit und mit
entsprechender Vorbereitung kann ein perfektes Setting arrangiert werden und
der Entfremder oder Entfremderin  das
heldenhafte Opfer zum Besten geben und eine unterschwellige Koalition mit dem
Gutachter/Gutachterin eingehen.

Elternteile,
die entfremden, können aufgrund der eigenen psychischen Vorbelastungen mitunter brillante Schauspieler sein. Es sind kaum bemerkbare Details, mit denen sie sich einem geübten Auge verraten können: der Blick in die falsche Richtung, ein mikromimisches Zucken, eine
ungewollt außer Kontrolle geratene Geste.
Sie sind in der Lage und Willens, zu täuschen. Die Tragik dieses „Könnens“ liegt darin, dass sie auch hier auf Muster der Vergangenheit zurückgreifen. Was in ihrer Kindheit möglicherweise als Überlebensstrategie fungierte („Du darfst niemandem erzählen, dass Mama/Papa dich angefasst/geschlagen/anderweitig misshandelt hat, sonst kommst du ins Kinderheim und siehst uns nie wieder!“), richtet im Hier und Jetzt Schäden ein, deren Langzeitfolgen für das Kind, für den entfremdeten Elternteil und für den/die Entfremder:in selbst in ihrer detaillierten Auswirkung unabsehbar sind. Der aktuelle Große Zustandsbericht zur Lage im Famlienrecht in Deutschland gibt allerdings eine recht gute Vorstellung davon, wie die Entfremdung sich langfristig auf die Beteiligten auswirken kann.

Ein heldenhaftes Opfer folgt dem eigenen Narrativ, also der Art, wie ein Mensch
denkt, sein Leben zu sehen oder darstellen zu wollen. Ein:e Entfremder:in führt ein seiner oder
ihrer Auffassung nach perfektes, ausgeglichenes, harmonisches Leben – nach
außen hin, natürlich. Das sind die Heldenanteile, die nach Außen hin
überwiegen, sie werden präsentiert, dargestellt, gefeiert und betont. Zumindest
in den Momenten,  in denen das Heldentum als zielführende Komponente überwiegt. In den
Augenblicken jedoch, in denen der Opferanteil zielführender ist, führt
ein:e Entfremder:in seiner/ihrer Auffassung nach plötzlich ein Leben voller Entbehrungen und – nomen est omen – Aufopferung,
weil der andere Elternteil nun mal daran Schuld sei.
Bemerkenswerterweise sind immer irgendwie die anderen Schuld. Ich erlebte
neuerdings einen betreuenden Elternteil, der sogar in der Lage war, dem Kind
die Schuld für sein eigenes Verhalten als Elternteil in die Schuhe zu schieben. Das Kind sei dran Schuld gewesen, dass der Elternteil (in diesem Fall die entfremdende Mutter) sich einsam und allein fühle. Weil das Kind unbedingt zum Papa wollte.

Das heldenhafte Opfer ist ein Hybrid aus den beiden – sehr grenzwertigen –
Facetten: einem Helden und einem Opfer. Wer an dieser Stelle an die
Borderline-Persönlichkeitsstörung denkt, liegt schon mal gar nicht so falsch.
Es gibt tatsächlich eine Kausalität zwischen der
Borderline-Persönlichkeitsstörung und dem Entfremden des Kindes vom anderen
Elternteil. Ich empfehle hierzu das Buch der 
Psychologin und Pädagogin Manuela Rösel mit dem Titel „Mit zerbrochenen
Flügeln – Kinder in Borderline-Beziehungen – siehe dazu Lesetipps am Ende des Artikels.

Viele
Eltern, die entfremden, haben in der Regel mit der eigenen
Vergangenheit zu kämpfen. Eine unverarbeitete respektive  nicht austherapierte Vergangenheit mündet im Kampf im Hier und Jetzt. Die Reaktionen
der Entfremderinnen und Entfremder auf die Konflikte  – zum Beispiel mit dem Parter/Partnerin im
Hier und Jetzt sind demzufolge ein gelerntes Muster, eine reflexartige
Reaktion, die sich zwar auf die Ereignisse der gegenwart bezieht, jedoch mit den Mustern der Vergangenheit angegangen wird. Dem, was jetzt
passiert, wird mit den verzweifelten Selbsterhaltungsmechanismen aus der
Vergangenheit begegnet. 
Das kann nicht aufgehen, wenn in der Kommunikation unter Erwachsenen eine:r der Gesprächspartner:innen mit kindlichen Mustern reagiert und das
Verhalten eines Kindes an den Tag legt.

Du bist schuld. Und ich habe das Kind.

Bei
Twitter habe ich einen Kommentar gelesen. Eine Person hat da geschrieben: Wenn
sich der Umgangs-Elternteil zu Zeiten der Partnerschaft anders verhalten hätte,
hätte es das Problem jetzt nicht gegeben. Der Umgangs-Elternteil sei an der
Einstellung des betreuenden Elternteils selber schuld. Das Kind spüre das nur
und reagiere mit Ablehnung.

Auch
bei diesem Kommentar wurde nicht im Hier und Jetzt kommuniziert. Die Person bezieht sich auf die Vergangenheit und sucht dort nach einer Ursache des Problems, deren „Entfernung“ zur Lösung des Problems führen würde. Viele Entfremder:innen gehen genauso oder ähnlich vor: sie sind kaum in der Lage, im hier und jetzt zu kommunizieren.

Zielführender (im Sinne des Kindes!) wäre es an dieser Stelle, zu reflektieren: Egal wie übel sich meiner Meinung nach der andere Elternteil in der Partnerschaft verhalten hat –
diese ist vorbei. Da ist nicht mehr zu reparieren, gut zu
machen, nachzuholen, es ist aus. Und jetzt geht es nicht mehr um die
Partnerschaft. Es geht ausschließlich um das Kind und darum, ihm die
Möglichkeit zu geben, Anteile beider Eltern in sich zu respektieren und zu
akzeptieren. Im Idealfall: diese beiden Anteile zu lieben – und zwar in den Personen der Eltern und in sich selbst.

Der Teufelskreis.


Ungelöste Konflikte in der Herkunftsfamilie können Entfremder und
Entfremderinnen zunächst dazu bringen, die eigene Familie zu torpedieren, zu zerstören.

Ist dies erreicht, begeben sich diese Person paradoxerweise häufig zurück in den Schoß
der eigenen Herkunftsfamilie, sozusagen back to the (evil) roots im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist ein regressiver Schritt. Viele Entfremder:innen zerstören damit die
eigene Selbständigkeit. Dafür holen sie sich auf dieser Grundlage Unterstützung und
Zuspruch der stillen Helfer – und somit die Anerkennung und Bestätigung, nach der sie sich so sehr
sehnen.
Irgendwann wird möglicherweise eine neue Beziehung eingegangen – hin und wieder wird
sie durch die Herkunftsfamilie mehr oder weniger „arrangiert“.
Das eigene Narrativ einer heilen Welt bleibt damit erhalten.

Für mich grenzt das an puren Wahnsinn, und so muss es sich auch für viele Entfremder:innen  anfühlen, die ihre Herkunftsfamilie einerseits hassen, andererseits aber ohne Ihre
Bestätigung nicht leben können.  Bewusst oder unterbewusst kopieren sie das
Verhalten der eigenen Herkunftsfamilie um deren Akzeptanz und vielleicht sogar Lob zu finden.

Die Annahme, dass das entfremdende Verhalten eine Spätfolge auf die eigenen unverarbeiteten Erlebnisse aus der Vergangenheit ist, ist eine Erklärung, keine Rechtfertigung. Als Erwachsene sind Entfremder:innen für ihr Leben selbst verantwortlich. „Geht dich nichts an! Es ist meine Sache!“ würden jetzt sicherlich viele Entfremder:innen auf den Impuls antworten, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinander zu setzen.
Ja.
Und nein.
Die Verantwortung für die eigene Person ist vielleicht tatsächlich eigene Sache. Nicht allerdings die Verantwortung für das in die Welt gesetzte Kind. Dies bestätigt das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der die Eltern-Kind-Enftremdung als eine Form des Kindesmisshandlung anerkannt hat.

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Lesetipps:

Manuela Rösel (2011): Mit zerbrochenen Flügeln

Hochstrittig.org: 17 primäre Entfremdungsstrategien

Deutscher Famliengerichtstag e.V. (2019): Die Richterschaft in der Familiengerichtsbarkeit – Plädoyer für eine Qualitätsoffensive.

Mama Papa Auch e.V. (2020): Der große Zustandsbericht zur Lage im Familienrecht.

Hildegund Sünderhauf / Martin Widrig (2020): Besprechung des Urteils des EGMR 23641/17 

Andritzky,
W.: Verhaltensmuster und Persönlichkeitsstruktur entfremdender Eltern:
Psychosoziale Diagnostik und Orientierungskriterien für Interventionen.
  Psychotherapie in Psychiatrie, Psychotherapeutischer  Medizin und
Klinischer Psychologie 2002; 7: 166–182.


Boch-Galhau (2012): Parental Alienation und Parental Alienation Syndrom/Disorder: eine ernst zu nehmende Form von psychischer Kindesmisshandlung – mit Fallbeispielen.

Flöttmann (2015): Angst: Ursprung und Überwindung.

Gardner
R: The Parental Alienation Syndrome – A Guide für Mental Health and
Legal Professionals. New York: Creative Therapeutics 1998.

Hövel (2003): Liebe Mama, böser Papa. Eltern-Kind-Entfremdung nach Trennung und Scheidung: Das PAS-Syndrom.

Klenner W (1995): Rituale der Umgangsvereitelung bei getrenntlebenden oder geschiedenen Eltern. Fam RZ 1995; 42: 1529–1535

Satir, V. (2018): Selbstwert und Kommunikation

Warshak RA (200): Remarriage as a trigger of parental alienation syndrome. The American Journal of Family Therapy 2000; 28: 229–241.

Pelz, A. (2020): Es war einmal eine Prinzessin. Ein modernes Entfremdungsmärchen. 

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2 Kommentare zu “„Ich entfremde, also bin ich“ – Eltern-Kind-Enftremdung ist nur indirekt das Ergebnis des Konfliktes zwischen den Eltern.

  1. Nils

    Außen hui innen pfui, typisch Entfremder. Nach außen alles aalglatt und perfekt. Was sagen die Leute sonst war schon immer das Lebensmotto von meiner Exfrau. Jetzt ist es nur noch schlimmer. Allein diese Denke ist schon krank.

  2. Anna Pelz - systemische Therapeutin und PAS-Coach

    Alle, die ihre Kinder entfremden, haben es irgendwie gemeinsam: Viel Glanz, wenig Substanz. Nach Außen wirken sie wie ein bunter Luftballon, der schön glänzt. Der Glanz ist wichtig, denn jeder mag bunte, schöne Luftballons. Bunte Luftballons sind begehrenswert.
    Innen drin ist so ein Ballon leer, aber das ist nicht schlimm, denn das sieht keiner. Man kann durch die Hülle des Luftballons nicht durchgucken, auch wenn sie nur einen Bruchteil eines Milimeters dünn ist.

    Eine sehr unsichere Form des Daseins. Die verzweifelten Versuche eines Entfremders/einer Entfremderin, den leeren Raum mit Inhalten zu füllens scheitern häufig an der Auswahl der Inhalte. Das Kind wird in den leeren Raum hineingestopft, es wird zum Inhalt gemacht. Es erfüllt den Zweck, den Raum zu füllen. Der Hass auf den/die Ex gleich mit reingepackt. Kind und Hass eng zusammengepfercht. Ich liebe dich doch so sehr, du bist mein Kind. Aber ich hasse deinen Vater/deine Mutter. Einen Teil von dir hasse ich auch – den nämlich, der von deinem Vater/Mutter kommt. Aber du bist von ihm/ihr jetzt abgeschirmt, mit der bunten, dünnen Hülle, die so schön glänzt. Jetzt kannst du so werden wie ich. Du sollst so werden wie ich. Du bist die Neuaflage von mir. Weil du mir gehörst (siehe dazu die ARD-Filmproduktion mit demselben Titel).

    Eins sehr bunter Luftballon ist es. Früher oder später zerplatzt ein solcher Luftballon mit einem lauten Knall, meist dann, wenn der Druck zu hoch ist oder wenn das Material ermüdet.
    Das Tragische daran: das Schicksal eines Kindes ist an diesem Luftballon gebunden.
    Allen entfremdenden Elternteilen (ja, auch solche melden sich hin und wieder bei mir und haben den Mut, ihr Verhalten zu thematisieren – Hut ab) rate ich, die Hülle abzulegen und somit den Irrtum, das Innere durch äußeren Glanz zu schützen. Stattdessen kann an den Inhalten gearbeitet werden. An eigenen Inhalten, an der eigenen, gesunden Substanz, die eine stabile Grundlage für das eigene souveräne Leben und das Leben des Kindes bilden kann.


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