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Eltern-Kind-Entfremdung

Eltern-Kind-Entfremdung/Parental Alienation – was ist das?

12. September 2021

Eltern-Kind-Entfremdung – Parental Alienation: Entstehung, Anzeichen, Gegenstrategien.

In diesem Artikel finden Sie einige grundlegende Informationen über die Eltern-Kind-Entfremdung. Die jeweiligen Links im Text und die Litersturliste helfen, das Thema zu vertiefen.

Bei individuellen Anliegen und Fragen stehe ich Ihnen gern persönlich zur Verfügung – deutschlandweit.

Wofür steht der Begriff PAS?

PAS steht für Parental Alienation Syndrome, zu Deutsch: Eltern-Kind-Entfremdung. Ein Phänomen, das viele getrennte Eltern bei ihren Kindern erleben, insbesondere dann, wenn die frühere Beziehung der Eltern von Spannungen und Konflikten gekennzeichnet war.

Von PAS sprechen wir, wenn das Kind einen Elternteil (in aller Regel den betreuenden Elternteil, unabhängig davon, ob es sich um den Vater oder die Mutter handelt) uneingeschränkt bevorzugt und sein/ihr Verhalten teilweise bis ins Absurde glorifiziert und verteidigt – selbst, wenn seitens dieses Elternteils Schädigung des Kindeswohls, offensichtliche Misshandlungen oder Vernachlässigungen vorliegen. Auf den anderen Elternteil dagegen wird vom Kind stufenweise ablehnend reagiert. Das letzte Stadium der Entfremdung manifestiert sich durch offenen Hass, Wutausbrüche, Panik, Kontaktverweigerung bzw. Umgangaverweigerung.

Die Eltern-Kind-Entfremdung wurde vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als eine Form der psychischen Misshandlung anerkannt (zum Urteil und seiner Besprechung: hier klicken) und stellt eine Gefährdung und Schädigung des Kindeswohls dar, die mit unabsehbaren Langzeitfolgen für die psychische Verfassung des Kindes in der Zukunft einhergeht. PAS muss und soll deshalb dringend genauso ernst genommen werden, wie alle anderen Formen der Kindeswohlgefährdung.

Logo von Anna Pelz EKE/PAS-Coaching und -Blog
Eltern-Kind-Entfremdung (Parental Alienation): der bevorzugte Elternteil wird als ausnahmslos lieb wahrgenommen, der andere nur als „böse“.

Die Leidtragenden des PAS sind in erster Linie die Kinder. Doch auch viele betroffene abgelehnte Elternteile und die dazugehörigen Familienmitglieder (allen voran Großeltern, Geschwister) leiden stark unter der Entfremdung und können als Folge seelische/emotionale Beschwerden ausbilden.

Dieser Entwicklung gilt es entgegenzuwirken – an diese Elternteile und andere Betroffene richtet sich mein Coaching- und Beratungsangebot. Ich stehe auch engagierten Fachkräften zur Verfügung: Rechtsanwälten, Jugendamtmitarbeitern, Verfahrensbeiständen, Umgangspflegern, Richtern (m/w/d), die mit dem Thema Eltern-Kind-Entfremdung konfrontiert werden und das Leid der Kinder durch fachliche Handlungskompetenz beenden wollen.

Entstehung und Auswirkung der Eltern-Kind-Entfremdung auf das Kind

PAS entsteht, wenn ein Kind von seinem bevorzugten Elternteil (unabhängig davon, ob es sich um Mutter oder Vater handelt) bewusst oder unterbewusst, verbal oder nonverbal in einen starken Loyalitätskonflikt getrieben wird. Der betreuende Elternteil steuert die Vorgänge aktiv und/oder passiv, indem es z. B. den Umgang mit dem anderen Elternteil sabotiert oder gar boykottiert und/oder widersprüchliche Botschaften an das Kind versendet, um das Kind zu manipulieren, damit es sich „ganz von selbst“ (so die häufigste Rechtfertigung der entfremdenden Elternteile) gegen den anderen Elternteil auflehnt.
Diese Botschaften können durch Worte aber auch allein durch den Tonfall, die Körperhaltung, die Mimik, Gestik oder das übrige Verhalten des Elternteils vermittelt werden. Wenn ein Elternteil beispielsweise sagt: „Viel Spaß beim Mama/Papa“ – doch dabei mit Tränen in den Augen zur Seite schaut oder schluchzend das Kind kramphaft an sich drückt – handelt es sich um eine typische Doppelbotschaft (sog. Double Bind). Diese dient dazu, das Kind zu manipulieren und in ihm Schuldgefühle hervorzurufen. Die wahre Botschaft dahinter ist: „Ich sage zwar: Viel Spaß, aber du siehst ja selbst, wie traurig und einsam ich bin. Wenn du mich liebst, dann gehst du nicht“.
Insgesamt gibt es nach aktuellen Erkenntnisen 17 Entfremdungsstrategien (zur Auflistung: hier klicken), die detailliert von der Entwicklungspsychologin Dr. Amy Baker beschrieben wurden. Sie führen dazu, dass sich das Kind verunsichert fühlt und eine Koalition mit diesem Elternteil eingeht, auf den er in aller Regel angewiesen ist.

Botschaften dieser Art können von dem entfremdenden Elternteil gezielt und bewusst aber auch unterbewusst gesendet werden – dabei kommt es in der Regel auf die psychische Verfassung des manipulierenden Elternteils an. So oder so hinterlassen diese doppelten Botschaften eine tiefe Verunsicherung und Schuldgefühle beim betroffenen Kind und richten seelische Schäden an, die nicht nur im Hier und Jetzt verheerend sein können, sondern auch in der Zukunft eine Auswirkung auf das Verhalten des späteren Erwachsenen haben können. So kann dies die Art beeinflussen, wie und mit wem das erwachsene Kind seine (Liebes-)Beziehungen eingeht, wie es Liebe definiert, und wie es den zwischenmenschlichen Umgang im Laufe seines Lebens gestaltet.

Hinzu können diverse Verhaltensstörungen,  soziale Isolation, Suchtproblematik bis hin zum Suizid die Folge sein.

Der PAS-Check: Wie erkenne ich Eltern-Kind-Entfremdung?

Dr. Walter Andritzky beschreibt in seinem Artikel im Deutschen Ärzteblatt (Ausgabe Februar 2003, Seite 81), folgende, einfach erkennbare PAS-Symptome im Verhalten des Kindes und des manipulierenden Elternteils:

„- Es werden Meinungen und wörtliche Formulierungen vom betreuenden Elternteil übernommen, die dessen Haltung zum anderen charakterisieren. Das Gesagte wird in nicht kindgerechter Sprache („Er hat einen Machtkomplex.“) und gekünstelter Stimmlage vorgebracht. Es werden neue Ablehnungsgründe „hinzuerfunden“, das Kind wirkt beim Gespräch motorisch unruhig und gespannt.

– Nicht nur der andere Elternteil, sondern dessen gesamtes soziales und familiäres Umfeld wird in die Ablehnung miteinbezogen, zum Beispiel früher geliebte Großeltern und Freunde.

– Das Kind „spaltet“: Der betreuende Elternteil ist nur „gut“, der andere nur „schlecht“, die natürliche Ambivalenz fehlt. Das Kind ergreift reflexhaft für den Betreuer Partei.

– Das Kind betont auffällig, dass alles, was es sage, sein eigener Wille sei („Ich will das.“).

– Wenn der Entfremdungsprozess fortgeschritten und sich der betreuende Elternteil sicher ist, dass das Kind keinen Wunsch nach Kontakt zum anderen mehr äußert, betont er oft: „Ich wäre der/die Letzte, die etwas gegen Besuche hat, aber das Kind will nicht.“

Ein weiteres Indiz für ein Entfremdungssyndrom ist, dass der betreuende Elternteil den anderen abwertet und den Gesprächspartner in eine Allianz gegen diesen einzubinden versucht. Gleichzeitig werden Diskurs und Vermittlungsbemühungen, die seine Person und Rolle im Trennungsprozess betreffen, jedoch ablehnt.“

Entfremdung als emotionale Überlebensstrategie entfremdender Elternteile

Bei Elternteilen, die sich manipulativ verhalten, kann eine durch den Trennungsprozess aktivierte Borderline-Problematik vorliegen, die auch mit weiteren psychischen Komorbiditäten verbunden sein kann (z. B. mit der Bulimie) und ihren Ursprung häufig in der Kindheit dieser Personen hat. Viele manipulierende Eltern haben in ihrer eigenen Kindheit selbst traumatische Ereignisse erlebt: süchtige/psychisch erkrankte Eltern, sexuellen Missbrauch, Vernachlässigung, Gewalt etc. Die Trennung vom Partner/in im Hier und Jetzt lässt die Vergangenheit und die kindlichen Traumata aufleben. Der Elternteil fühlt sich überfordert mit der gegenwärtigen Situation und mit seiner/ihrer nicht aufgearbeiteten Vergangenheit.

Das eigene Kind wird in diesem Moment überlebenswichtig, es wird als eine Art Partnerersatz betrachtet, als Halt, als einziger noch kontrollierbarer Bestandteil des Lebens. Jeder Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil ist mit Verlustängsten verbunden. Der Umgang wird deshalb erschwert oder abgesagt. Dem Kind wird durch diverse verbale und nonverbale Entfremdungsstrategien ein negatives Bild des anderen Elternteils vermittelt. Damit wird ein intensiver Loyalitätskonflikt gefördert, dessen Zweck ist, das Kind stärker an den betreuenden Elternteil zu binden, um es als Trostpflaster gegen die eigene Unsicherheit und die Verlustängste zu instrumentalisieren. Es kommt auch durchaus vor, dass sich auch weitere Personen aus diesem Umfeld – zum Beispiel die Großeltern des Kindes – aktiv an der Manipulation beteiligen. Dies passiert zum einen aus „Solidarität“ der eigenen Tochter oder dem eigenen Sohn gegenüber, zum anderen jedoch häufig, um von den vergangenen oder aktuellen Misständen innerhalb der Herkunftsfamilie abzulenken. Das manipulierte Kind wird auch von den Großeltern oder anderen Familienmitgliedern instrumentalisiert, um die Konfrontation mit der eigenen Problematik zu vermeiden.

Das PAS-fördernde Verhalten der manipulierenden Elternteile verstärkt sich in vielen Fällen dann, wenn der andere Elternteil eine neue (glückliche!) Beziehung eingeht oder gar heiratet. Die Verstärkung der Manipulation manifestiert sich dabei häufig unabhängig davon, ob der manipulierende Elternteil selbst in einer (neuen oder bereits vorhandenen) Beziehung/Ehe lebt. Oft fühlen sich diese Elternteile auch in ihren Beziehungen oder Familienkostellationen einsam bzw. allein gelassen und sehen keine Möglichkeiten oder Auswege, ihr Verhalten zu ändern.

Nach Außen wird dies jedoch in aller Regel gekonnt überspielt, deshalb fällt es vielen Fachkräften schwer,  entfremdende Elternteile zu enttarnen.

Ich habe 12 primäre Merkmale entfremdender Elternteile zusammengestellt:

PAS/EKE – Eltern-Kind-Entfremdung auf einen Blick.

Eltern-Kind-Entfremdung: Gegenstrategien

Einige Tipps und Impulse mit dem Verhalten entfremdeter Kinder finden Sie unter anderem in den folgenden Artikeln dieses Blogs:

„Mama/Papa sagt, du bist ein*e Lügner*in!!!“ – Umgang mit Aussagen entfremdeter Kinder, Teil II

„Die gestohlene Zeit“ – Wenn die Kooperation zur Falle wird.

„Mein:e Mama/Papa macht es aber besser!“ Oder: Warum Kinder ihre Entfremder:innen glorifizieren.

Erfahrungsgemäß weiß ich jedoch, dass mit solchen Pauschal-Tipps die Problematik nur ansatzweise angegangen werden kann, da jede Lebensgeschichte anders ist.

Die Eltern-Kind-Entfremdung hat viele Gesichter und deshalb sind die Gegenstrategien so unterschiedlich wie die jeweilige Lebenssituation, der Charakter und Art des Menschen und sein Potenzial.

Bei Gesprächsbedarf oder Fragen erreichen Sie mich unverbindlich und deutschlandweit telefonisch, per WhatsApp oder e-Mail: Kontakt

Weiterführende Literatur zum Thema Eltern-Kind-Entfremdung (Parental Alienation):

Andritzky, W.: Verhaltensmuster und Persönlichkeitsstruktur entfremdender Eltern: Psychosoziale Diagnostik und Orientierungskriterien für Interventionen. Psychotherapie in Psychiatrie, Psychotherapeutischer Medizin und Klinischer Psychologie 2002;

Andritzky, W.: Zur Problematik kinderärztlicher Atteste bei Umgangs- und Sorgerechtsstreitigkeiten. Mit Ergebnissen einer Befragung. Kinder- und Jugendarzt 2002;

Baker, A LJ & Sauber, R.S.(2013). Working with Alienated Children and Families — A Clinical Guidebook. New York: Routledge

Boch-Galhau, Gardner (2010): Das elterliche Entfremdungssyndrom (Parental Alienation Syndrome /PAS): Anregungen für gerichtliche Sorge- und Umgangsregelungen. Eine empirische Untersuchung.
Boch-Galhau (2012): Parental Alienation und Parental Alienation Syndrom/Disorder: eine ernst zu nehmende Form von psychischer Kindesmisshandlung – mit Fallbeispielen.

Clawar SS, Rivlin BV: Children Held Hostage: Dealing with Programmed and Brainwashed Children. Chicago: American Bar Association 1991.

Fthenakis, W: Kindliche Reaktionen auf Trennung und Scheidung. Familiendynamik 1995;

Gardner R: Family Threapy of the Moderate Type of Parental Alienation Syndrome. American Journal of Family Therapy 1999;

Gardner R: The Parental Alienation Syndrome – A Guide für Mental Health and Legal Professionals. New York: Creative Therapeutics 1998.

Gast/Wirtz (2016): Dissoziative Identitätsstörung bei Erwachsenen

Hövel (2003): Liebe Mama, böser Papa. Eltern-Kind-Entfremdung nach Trennung und Scheidung: Das PAS-Syndrom.

Klenner W: Rituale der Umgangsvereitelung bei getrenntlebenden oder geschiedenen Eltern. Fam RZ 1995;

Kodjoe U., Koeppel P: Früherkennung von PAS – Möglichkeiten psychologischer und rechtlicher Interventionen. KindPrax 1998;

Kunkel G: Die Beziehungsdynamik im Familienrechtskonflikt. Untersuchung der Streitmuster bei strittiger elterlicher Sorge- und Umgangsregelung. Eberhard- Karls-Universität Tübingen 1997, Dissertation.

Lack-Hammersfahr (2019): Psychologische Gutachten im Familienrecht: Handbuch für die rechtliche und psychologische Praxis.

Pelz, A. (2021): Eltern-Kind-Entfremdung: Informationsblatt für Fachkräfte

Rösel M. (2011): Mit zerbrochenen Flügeln: Kinder in Borderline-Beziehungen.

Vestal A: Mediation an Parental Alienation Syndrome. Considerations for an Intervention Model. Family and Conciliation Courts Review 1999;

Walsh M, Bone J: Parental Alienation Syndrome: an Age Old Custody Problem. Florida Bar Journal 1997;

Warshak RA: Remarriage as a trigger of parental alienation syndrome. The American Journal of Family Therapy 2000;

Weil du mir gehörst“ (2020) FFP New Media GmbH im Auftrag des SWR für Das Erste

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