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Allgemein

Der PAS/EKE-Teufelskreis. Entstehung, (Ver-)Lauf, Unterbrechung.

30. April 2021

Es läuft rund, weil es rund läuft.

Die Elternkindentfremdung (Parental Alienation) kann, wie jedes Phänomen, nur dann existieren, wenn sie einen fruchtbaren Boden findet.
Hierzulande besteht dieser fruchtbare Boden sogar aus zwei nährenden Schichten, die das Gedeihen der Elternkindentfremdung – oder eher: deren Wuchern – ermöglichen.

Zahlreiche gegenwärtige politische und amtliche Strukturen begünstigen zum einen die Entstehung der Elternkindentfremdung – mehr dazu nachfolgend. Sie dulden, übersehen oder verharmlosen bewusst oder unterbewusst (im Grunde völlig egal, denn es kommt aufs Gleiche raus) ihre Existenz und vor allem die Kurz-, Mittel- und Langzeitauswirkungen auf die Lebensqualität und die Psyche der betroffenen Kinder.

Hinzu, und dies ist die zweite Schicht, kommt ein immer noch weit verbreitetes, antiquiertes, teilweise heißgeliebtes Familienbild: die fürsorgende Mutter, der versorgende Vater.

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Inhalt:

1. Die fürsorgende Mutter, der versorgende Vater.
2. Was der Bauer nicht kennt…
3. Zustände, von denen man Zustände bekommt.
4. Ein (Teufels-)Kreis: schön rund und kaum Angriffsfläche.
5. „Gib mir einen Punkt außerhalb der Erde (…), so will ich sie bewegen“.
6. Symptome, Ursachen und wie es damit weiter geht.

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1. Die fürsorgende Mutter, der versorgende Vater.

Ein irgendwie vertrautes, bequemes Bild, das zwar ein bisschen empört („Wir leben doch nicht in der Steinezeit…!“), aber an dem gern noch festgehalten („Oma und Opa waren 65 Jahre lang verheiratet!“) und dem mancherorts regelrecht gehuldigt wird („In Deutschland anno dazumal gab’s keine Scheidungen!“). So die Berichte der von mir gecoachten Elternteile mit vielen sogenannten Entscheidungsträgern. So auch meine eigene Erfahrung als betroffene Stiefmutter mit einem Amtsgericht einer mittelgroßen deutschen Stadt, dessen Befehlshabende und bisher sämtliche Vasallen (Gutachter, Verfahrensbeiständin, Richter, Mitabreitende des Jugendamtes) ihr Wissen über das Familienleben allem Anschein nach aus Büchern aus einer Zeit generieren, in der ja – das werde man noch sagen dürfen – nicht alles schlecht gewesen sei.

Das Festhalten an veralteten Familienstrukturen und -bildern ist vielerorts beliebt, weil das antiquierte Familienbild die Muster von Menschen mit einer bestimmten Denkweise bedient. Bedient werden auch Muster von Menschen mit gewissen emotionalen Ausprägungungen. Diese Menschen sehen sich gern in einer Opferrolle, unabhängig davon, ob es die Opferrolle einer Fürsorgerin (Parade-Glaubenssatz: „Ich habe meine berufliche Karriere für die Familie, für das Kind aufgebeben“. Optionale Ergänzung: „…und muss mich jetzt mit der schlecht bezahlten Stelle begnügen“.) oder die eines Versorgers (Parade-Glaubenssatz: „Ich ackere mich ab und habe kaum Freizeit, alles nur, um meine Familie zu ernähren“. Optionale Ergänzung: „Ich ruiniere mir meine Gesundheit, damit es euch an gar nichts fehlt!“).

Auch wenn im Falle der Elternkindentfremdung meist nur ein Elternteil die Opferrolle als Druckmittel einsetzt und sich oft fast schon genüsslich darin suhlt, so genügt dies vollkommen, um diejenigen von den sog. Entscheidungsträgern zu beeindrucken respektive anzutriggern, die eine ähnliche Rolle innerhalb der eigenen Familie bewusst oder unbewusst spielen oder diese Opferrolle bei den eigenen Eltern in ihrer Kindheit aus nächster Nähe erlebt haben. Kommt unzureichendes fachliches Wissen dazu, ist der Teufelskreis perfekt. 

Und es läuft rund.
An diesem Bild halten deshalb nicht nur viele betroffene Elternteile, sondern auch Entscheidungsträger, wie die bereits erwähnten Mitarbeitende von Jugendämtern, Richter, Verfahrensbeistände, Umgangspfleger, Mitarbeitende von Familienberatungsstellen und andere.

Für alle, die sich über die Überschrift dieses Kapitels und den Inhalt empören: Es geht übrigens auch andersrum: Vater, der Allmächtige. Mutter, die Unterwürfige.
Auch so geht es. Es gibt auch Gerichte, die die narzisstische Allmacht des Vaters nicht erkennen (wollen) und die Mutter als das unterwürfige Hausarbeitstier ausgrenzen.
Dass ich mich für diese Überschrift entscheiden habe ist, weil sie aufhorchen lässt.

Alles geht.
Der Teufelskreis macht es möglich.

2. Was der Bauer nicht kennt…

Die vorstehend beschriebenen Muster können bewirken (und tun es im Übrigen auch einfach), dass die Elternkindentfremdung (Parental Alienation) häufig kaum problematisiert werden kann. Wird sie es doch – in der Regel von einem mit Hilfe von PAS entsorgten Elternteil – werden seitens der Entscheidungsträger zahlreiche Vorwände vorgebracht, warum dieser Elternteil sich in seiner Wahrnehmung irrt und warum dies auf gar keinem Fall so sei, wie er/sie das beschreibe. Es wird verleugnet oder auf Zeit gespielt, um die Konfrontation zu vermeiden. In diesem Fall handelt es sich klassischerweise um einen Abwehrmechanismus.

Eine entfremdete Großmutter berichtete mir gestern noch im Coaching, dass der Umgangspfleger, der für ihre Enkeltochter zuständig ist, sich wie ein Aal windet, um Zeit zu schinden. Ein älterer Herr sei es, ein Rentner, ohne jegliche professionelle Grundlage, um den Job des Umgangspflegers zu machen. Und offenbar auch ohne eine ausreichende Sebsibilität und Wahrnehmungsgabe für diesem Job, von einem gesunden Menschenverstand und Verantwortungsgefühl ganz zu schweigen. Er könne sich nicht erklären, gab er an, warum das Kind zwar äußere, es wolle den Elternteil nicht sehen, sich jedes Mal aber unglaublich freue, wenn ein Treffen zustande komme. Er könne sich das einfach nicht erklären, ein Rätsel sei ihm das.

Von mir an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zur brillianten Auffassungsgabe dieses Herren und ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass sämtliche Informationen über dieses vermeintlich unerklärliche Phänomen keine Akte X, sondern allgemein zugängliche Informationen sind, via Internet oder (von mir aus, für die älteren oder traditionell geprägten Semester) eben in Form des gedruckten Wortes für die breit aufgefasste Allgemeinheit verfügbar.

Die vorsichtig geäußerte Impuls der Großmutter dem Umgangspfleger gegenüber, dass ein solches Verhalten auf die Entfremdung hinweisen könnte, bewirkte einen vollständigen Rückzieher seitens des Herren. Seitdem melde er sich gar nicht, berichtete die Großmutter. Sie müsse ihm jede Information aus der Nase ziehen, erreiche ihn nicht, die Nachrichten auf dem Anrufbeantworter und die Mails oder gar Briefe werden nicht beantwortet oder erst nach mehrmaligem Auffordern – und dann nur allgemein, ohne auf die Impulse einzugehen.

An diesem Beispiel wird der Mechanismus des PAS/EKE-Teufelskreises schon mal realitätsnah angedeutet.

3. Zustände, von denen man Zustände bekommt.

Die aktuellen Zustände im Familienrecht werden detailliert und mit vielen Praxisbeispielen im „Großen Zustandsbericht zur Lage im Familienrecht 2020/2021“ geschildert, der von Papa Mama Auch e.V. Ende vergangenen Jahres veröffentlicht wurde. Den Zustandsbericht habe ich in diesem Blog bereits ausführlich vorgestellt (zum Artikel). Den Zustandsbericht selbst gibt es zum Nachlesen auf der Seite von Papa Mama Auch e.V. (zum Bericht).

Gegenwärtig ergibt sich daraus der folgende Teufelskreis:

PAS 1

Die Inhalte der jeweiligen Stationen des Teufelskreises können individuell variieren, doch die Form und die Kausalkette sind nahezu ausnahmslos gleich:

  • Das kaum vorhandene oder gar kontinuierlich verdrängte Bewusstsein für die Thematik verhindert, dass Bedarf an Weiterbildungen entsteht.
  • Dies wiederum führt dazu, dass die Professionen nicht empfänglich/empfindsam genug sind, um mit den Betroffenen zielführend zu arbeiten.
  • Die Informationen werden nicht an die übergeordneten Stellen weitergeleitet, z.B an die lokale, regionale und bundesweite Politik.
  • Die Gesetze bleiben deshalb wie sie sind, weil das Familienbild von anno dazumal, taufrisch wie die vergilbten Bilder aus Uromas Fotoalbum, in den Köpfen der Entscheidungsträger geistert.
  • Die alten Gesetze bewirken, dass das Bewusstsein für PAS in der Bevölkerung nicht entstehen kann.
So schließt sich der Kreis und das Leid der Kinder wird in zahllosen Fällen munter weiter geduldet, verschwiegen, unter den Teppich gekehrt.
Alles nur Einzelfälle, versteht sich – dieser Satz ist übrigens auch ein Paradebeispiel für den Bereich oben links:  „Kein Bewusstsein“. Oder dafür, dass jemand es einfach nicht auf dem Schirm hat, dass diese veremeintlichen Einzelfälle jährlich die Größenordnung einer deutschen Mittelstadt einnehmen.

4. Ein (Teufels-) Kreis: schön rund und kaum Angriffsfläche.

Ein Kreis ist eine sehr praktische, stabile Form, die nicht gerade zu Veränderungen ermutigt.
Dies, so wie ich es sehe, aus zwei Gründen: Zum einen, ob teuflisch oder ganz gewöhnlich geometrisch – der Kreis (und seine dreidimensionale Schwester, die Kugel) ist die Form, die am wenigsten Angriffsfläche bietet. Hätten wir es mit einem Viereck zu tun, so wären seine Ecken, dort, wo die Linien zusammenkommen, die Schwachstellen und mögliche Ansatzpunkte für Veränderungen. Ein Kreis ist schön rund. Es gibt keine Ecken, Kanten oder andere wahrnehmbare Punkte, an denen die Veränderung begonnen werden kann.
Und eigentlich: Wozu eine Veränderung. Der Kreis läuft doch so schön rund und völlig mühelos.
Ganz von selbst.
Dass es sich um einen Kreislauf handelt, eine dynamische, homöostatische Form – auch das wirkt abschreckend. Eine Art selbstregulierendes perpetuum mobile mit einem bemerkenswerten Formgedächtnis.
 
Ich kann den Umgangspfleger deshalb teilweise verstehen, warum er vor diesem Kreis kapituliert hat. Denn die Veränderung beginnt immer – bei einem selbst. Egal ob jemand aus dem System oder jemand von den Betroffenen.

5. „Gib mir einen Punkt außerhalb der Erde (…), so will ich sie bewegen“

~ Archimedes


Ich wurde kürzlich gefragt, an welcher Stelle, meiner Meinung nach, der Ansatzpunkt für eine Veränderung am ehesten zu finden ist.
Ich finde: an allen. Und zwar gleichzeitig und unabhängig davon, ob sich diese Punkte außerhalb oder innerhalb des (Teufels-) Kreislaufs befinden.

 
Einen Teufelskreis zu unterbrechen bedeutet nicht zwingend, dass die Unterbrechung punktuell erfolgen muss. Im Gegenteil: Es kann parallel an allen „Fronten“ gearbeitet werden:
  • Aufklärung innerhalb der Bevölkerung.
  • Angebot und Durchführung von Weiterbildungen von (Entscheidungs-)Trägern.
  • Gespräche mit Politikern, Petitionen, offene Briefe.
  • Konsequenter Druck von allen Seiten auf die längst überholte Form, bis sie sich den aktuellen Anforderungen und Bedürfnissen der modernen Familien anpasst und ein neues Formgedächtnis entwickelt. Und von mir aus auch einige Ecken und Kanten, an denen die Veränderungen künftig einfacher vorgenommen werden können.
  • Unterbreitung von Lösungsangeboten.

Und sicherlich einiges mehr innerhalb des Teufelskreises, je nach dessen individueller Konstellation.

6. Symptome, Ursachen und wie es damit weiter geht.

Allerdings ist der Kreis im Grunde nur ein Symptom. Ähnlich wie im Fall der sogenannten Hochstrittigkeit (siehe hierzu Artikel: „Ich entfremde, also bin ich„) handelt es sich um die Blüte des Übels, deren Wurzeln ganz andere sind und um einiges tiefer als das Sichtbare und gegenwärtig Erlebbare greifen. Die Ursachen des fatalen Rundlaufs liegen nicht nur in der mangelnden Aufklärung und Wissen rund um das Thema Elternkindenftremdung, sondern können auch durchaus in den eigenen Lebens- und Familiengeschichten der Beteiligten wurzeln.

Deshalb sind möglichst diverse Angebote an Weiterbildungen erfoderlich. Angebote, die das rein Fachliche vermitteln und die Wahrnehmung sensibilisieren. Gleichzeitig sind Angebote erforderlich, die es erlauben, die private Komponente der Entscheidungsträger, bestehend aus eigenen Erfahrungen und den daraus möglicherweise resultierenden Blokaden und Hemmschwellen, außen vor zu lassen.

In wiefern (und ob überhaupt) sich die Entscheidungsträger mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen wollen, bleibt ihnen selbst überlassen. Ist es aus irgendwelchen Gründen nicht möglich oder nicht gewollt, ist es entscheidend, trotzdem einen sauberen Schnitt zu machen und die eigenen Voreingenommenheit und die damit möglicherweise zusammenhängenden Ressentiments dort zu belassen, wo und wann sie hingehören – im Privaten und in der Regel in der Vergangenheit/Kindheit.

Im Beruflichen sind deshalb nicht nur fachliche Weiterbildungen, sondern entsprechende Supervisionen aus meiner Sicht ein Muss, um das Private und Berufliche zu trennen und fachlich, effektiv, zeitgemäß und im Sinne der Kinder zu handeln und zu entscheiden.

Fragen, Impulse, Gesprächsbedarf?

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